
- Water Makes Money
Water Makes Money
Wasser ist neben der Luft, die wir atmen, das wichtigste Element für den Menschen und die Tier- und Pflanzenwelt. Der ungehinderte Zugang zu frischem Trinkwasser gilt als elementares Menschenrecht. Und doch wird er zunehmend den Geschäftsinteressen privater Konzerne unterworfen, die ausschließlich dem Wohl ihrer Aktionäre verpflichtet sind. Das ist keineswegs nur ein Problem der Entwicklungsländer, sondern auch der reichen Industriestaaten. Überall, wo finanzschwache Kommunen nach Entlastung suchen, klopfen die zwei weltgrößten Wasserkonzerne Veolia oder Suez an die Tür. Gemeinsam bilden sie ein undurchsichtiges Duopol, das zum Beispiel in Frankreich mittlerweile etwa 80 Prozent der Bevölkerung mit Wasser versorgt. Nicht nur das: sie halten Beteiligungen an den TV-Sendern TF1, Canal Plus und M6. Die vielfältigen Möglichkeiten zum Missbrauch dieser Dominanz werden dadurch verstärkt, dass Veolia in vielen Städten nicht nur das Wasser, sondern praktisch alle Bereiche der öffentlichen Grundversorgung beherrscht: Strom, Gas, Müllentsorgung, Fernheizung, Stadtreinigung, Nahverkehr,Kantinen, Gesundheitsfürsorge – Veolia hat das vollständige Dienstleistungsprogramm von Stadtwerken für Siedlungen aller Größen im Programm.Viele Städte, nicht nur in Frankreich auch in England und Deutschland; ja – in der ganzen Welt greifen gern auf dieses Angebot zurück. Vor allem auch, weil der Konzern über unübertroffenes Know-how in dem Bereich verfügt, den man heute als Finanztechnik bezeichnet. Und finanztechnische Kompetenz ist in Zeiten knapper öffentlicher Kassen mindestens ebenso wichtig, wie die technische Beherrschung der Wasserwirtschaft. Viele Gemeinden laufen dabei allerdings Gefahr, von dem überlegenen Konzern übervorteilt zu werden. Nicht nur Medien und öffentliche Grundversorgung,sondern selbst Bereiche des Wissenschaftsbetriebs werden von privaten Wasserversorgern unterwandert: In Montpellier gibt es an der Hochschule für Wasser- und Forstwirtschaft einen Lehrstuhl von Suez, an der Universität 2 wird demnächst ein Lehrstuhl von Veolia eingerichtet. Hier wird also nicht einmal mehr der Schein von unabhängiger Wissenschaft gewahrt. Wissenschaftler dieser Universität hatten kürzlich für unbedenklich erklärt, dass Veolia zusätzliches Quellwasser in der ökologisch höchst sensiblen Hérault-Region entnimmt. Alle anderen Experten warnten vor den ökologischen Folgen der Absenkung des Grundwasserspiegels. Doch Veolia startete den Pumpversuch.
Veolia kann Expansionserfolge in Polen,den baltischen Republiken,Tschechien, der Slowakei, Rumänien, Italien, Spanien, den USA und nun auch in China verzeichnen. Zusammen mit dem Wasserversorger Suez ist das Unternehmen in mindestens 69 Ländern auf allen fünf Kontinenten präsent. Ist das der (un)aufhaltsame Aufstieg zweier Wassergiganten zur weltweiten Vormachtstellung einer privaten Wasserversorgung? Der Film Water Makes Money dokumentiert, mit welchen Methoden französischen und deutschen Städten und Gemeinden die Kontrolle über ihr Wasser abgehandelt wird und dabei die Preise gestiegen sind. Und er zeigt, wie es etlichen Regionen gelungen ist, die Selbstbestimmung über das Lebenselixier Wasser zurück zu holen.